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Vorwort

Die Welt seit der Zerstörung

Im Land

"Die Herrschaft des Hochkönigs" ist das zwölfte Kapitel von Die Welt von Robert Jordans Das Rad der Zeit.

© Robert Jordan, Übersetzung von Nessaia Quelle: http://wot.books.free.fr/world/

InhaltBearbeiten

Abseits von den Tar Valon umgebenden Ereignissen (später aufgezeichnet) waren die nächsten dreiundzwanzig Jahre größtenteils friedlich, ungeachtet von neun aufgezeichneten Revolten während dieser Zeit. Obwohl einige davon sehr ausgedehnt waren, erhielt anscheinend keiner davon irgendwelche öffentliche Aufmerksamkeit. Sie wuchsen ausschließlich unter den verärgerten Adligen der eroberten Länder, und die meisten brachen zusammen, sobald Falkenflügel Truppen entsendet hatte, um mit ihnen zu verhandeln, einer sogar, bevor diese Truppen ihn überhaupt erreicht hatten.

Die letzten acht Jahre von Falkenflügels Leben nahmen, warum auch immer, eine völlig andere Gestalt an. Anfang FJ 986 stieß eine große Trolloc-Invasion an drei Punkten in die nördlichen Provinzen vor. Der vierundziebzig Jahre alte Falkenflügel bewegte sich so schnell, wie der junge jemals, und genauso entschlossen. In einer Serie von sieben Hauptschlachten, die ihren Höhepunkt bei Talidar im Sommer von FJ 987 erreichten, vernichtete er die Invasion so vollständig, dass Trolloc-Aktivitäten entlang der Fäule für die nächsten fünfzig Jahre verringert wurden.

Vielleicht ließ dieser kurze Krieg mit den Trollocs die kriegerischen Säfte in Falkenflügel wieder aufsteigen, oder möglicherweise erinnerte ihn der Tod seiner zweiten Frau Tamika, aus unbekannten Gründen im Herbst nach Talidar, an seine eigene Sterblichkeit. Es gibt Beweise dafür, dass er im Winter FJ 992 mit großen Plänen begann. Im FJ 992 segelte eine Flotte von unvorstellbaren Ausmaßen (die Quellen unterscheiden sich sehr, aber eine typische gibt zweitausend Schiffe aller Größen an, die über dreihunderttausend Soldaten und Siedler trugen) von den westlichen Häfen in den Aryth-Meer unter dem Kommando von Falkenflügels Sohn, Luthair Paendrag Mondwin. Sein Ziel war Seanchan. Sicherlich hatte die Welt niemals solch eine Flotte gesehen, doch im folgenden Jahr sendete Falkenflügel eine weitere aus, Berichten zufolge von der gleichen Größe, aus den südlichen Häfen. Von dieser Flotte ist weniger bekannt als von der durch Luthair Paendrag geleiteten, nur dass ihr Ziel die Lande waren, die unter anderem als Shara bekannt sind, und dass sie unter dem Kommando einer Tochter von Falkenflügel war. Das Schicksal der Seanchan-Expedition ist nur zu gut bekannt, jetzt, aber von der Shara-Expedition gibt es nur Schweigen, abgesehen von ein paar Geschichten von der Sorte, die in Dorftavernen erzählt werden, und behaupten, dass Falkenflügel "Länder hinter der Aiel-Wüste" erobert hat. Aufzeichnungen der Schiffe des Meervolks aus dieser Zeit Zeigen, dass die Landungen FJ 993 an der Küste von Shara beobachtet wurden. Andere Aufzeichnungen berichten von der Sichtung großer Zahlen brennender Schiffe gegen Ende von FJ 994, hauptsächlich in den gleichen Buchten, wo die ursprünglichen Landungen gesichtet worden waren.

Möglicherweise erhielt Falkenflügel schreckliche Berichte von diesen Expeditionen - auf Berichte wird angespielt, aber nichts ist von ihnen erhalten geblieben - oder möglicherweise war die Gründung der Expeditionen die das letzte Erblühen eines Baumes, bevor er fällt. Im Frühsommer von FJ 994 wurde Artur Falkenflügel von einer plötzlichen Krankheit niedergestreckt und verfiel jäh. Für einen Großteil des folgenden Monats war er vom Fieber geritten und im Delirium, oft nach seinem Schwert rufend, Gerechtigkeit. Verschiedenen Quellen kann man entnehmen, dass er redete, als wären Amaline oder Tamika oder beide im Raum. Seine letzten Worte galten ihnen. "Ich kann noch nicht kommen. Die Arbeit ist noch nicht getan. Der Kampf muss noch gekämpft werden." Im Alter von zweiundachtzig, verstarb Artur Paendrag Tanreall, Artur Falkenflügel, der Hochkönig. Innerhalb von Monaten wurden die ersten Schlachten von dem geschlagen, was als der Hundertjährige Krieg bekannt werden würde.

Artur 01
Dass er von den gewöhnlichen Leuten geliebt und respektiert wurde, kann nicht bezweifelt werden. Eine Quelle berichtet, dass Truppen, die er entsandt hatte, um mit einer großen Revolte umzugehen, in Safer ankamen, entdeckten sie, dass die Menschen der Region sich schon gegen die Revolutionäre erhoben und die Anführer eingesperrt hatten, um sie der Justiz des Hochkönigs zu übergeben. Seit mehrere Quellen aufzeichneten, dass er niemals irgendwelche Strafen über Regionen verhängte, wo eine Revolte aufgetreten war, nur über die Menschen, die tatsächlich teilgenommen hatten (anti-Falkenflügel-Schreiber schweigen bei diesem Thema, und sie wären sicherlich beim leichtesten Anschein von Unterdrückung angesprungen), muss man annehmen, dass diese Konterrevolten von dem eigenen Wunsch der Menschen herrührte, ihn zu unterstützen. Während er kein Monument von sich selbst erbauen ließ (sogar die große Statue, die er bei Talidar erbauen ließ, zeigte nicht seinen Namen oder sein Bild, sondern die Namen derer, die in dem Kampf gestorben waren), scheint es, dass jede Stadt und jedes Dorf irgend eine Art von Statue oder Erinnerung an den Hochkönig erbaute. Unglücklicherweise wurden alle diese Bauwerke während des Hundertjährigen Krieges zerstört, zusammen mit beinahe allem, das auf den Hochkönig oder seine Herrschaft hindeutete. Nachdem er das Monument bei Talidar gebaut hatte, wurden öffentliche Aufrufe nach einem Monument von ihm laut, einer großen Statue, die in der neuen Hauptstadt stehen sollte, die er plante. Sogar einige Quellen von eigentlichen Kritikern Falkenflügels stimmen zu, dass diese Bewegung spontan unter den gewöhnlichen Leuten entstand. Falkenflügel selbst versuchte sie davon abzuhalten, verbat es sogar zuerst, und gab nur nach als er bemerkte, dass das ein Aufstand war, den er nicht unterdrücken konnte.

Es ist klar, dass Falkenflügel sowohl ein guter Herrscher als auch sehr beliebt war. Quellen, die etwas anderes behaupten, verraten zwangsläufig Voreingenommenheit; ausnahmslos können jene Schreiber als eng verbunden mit dem Adel der besetzten Länder identifiziert werden. Verständlicherweise mochten ihn viele unter den besetzten Adligen nicht. Er benutzte sie, wo ihre Fähigkeiten es gewährleisteten, (eine beträchtliche Zahl von ihnen diente als Gouverneur oder hatte eine Funktion im Königreich inne), aber das war schon für sich ein wunder Punkt für viele von ihnen. Männer und Frauen, die ohne Falkenflügel Könige und Königinnen gewesen wären, fanden sich statt dessen dabei wieder, Provinzen in seinem Namen zu regieren oder Projekte für die Wasserversorgung zu kontrollieren oder dergleichen. In vielen Fällen wurden ihre Titel nutzlos; jene mit höherem Rang konnten sich als Diener jener mit niedrigerem Rang wiederfinden, oder sogar unter Gemeinen, für Falkenflügel zählten Ernennungen einzig und allein entsprechend nach dem Verdienst. Zusätzlich dazu teilte er alle Nationen in Provinzen, welche oftmals alte nationale Grenzen überlappten. Während niedrigere Beamte in jeder Provinz oftmals aus der Region kamen, wurde niemand als Gouverneur über eine Provinz eingesetzt, die irgend einen Teil der Nation enthielt, in der er geboren worden war, und er stellte sicher, dass in einer Provinz stationierte Soldaten grundsätzlich aus noch einer anderen Region des Königreichs kamen. Diese Dinge machten es jedem Gouverneur unmöglich, eine eigene Machtgrundlage zu schaffen. Und wenn Falkenflügel jemanden aufgrund seiner Verdienste beförderte, stufte er jemanden aus dem selben Grund zurück. Er hatte nur ein geringes Verständnis für Inkompetenz und keines für Dienstvergehen oder Amtsmissbrauch; egal wer ihre Vorfahren waren, Beamte, die des ersteren schuldig waren, wurden sofort entfernt, während diejenigen, die sich des letzteren schuldig gemacht hatten, oftmals gewaltsam verschleppt und zu einem Zeitraum harter Arbeit verurteilt wurden - zu dieser Zeit ein gängiges Schicksal für Verbrecher, als Gegensatz zur Einkerkerung - und ihr Vermögen und ihre Titel galten als verwirkt. Aus der Sicht der Adligen war es am schlimmsten, dass er auch die speziellen Privilegien abschaffte, die sie in verschiedenen Ländern für sich beanspruchten. Vor dem Gesetz des Königs war jeder gleich.

Das Rechtssystem unter Falkenflügel ist größtenteils verloren gegangen, aber es ist bekannt, dass er Schulen aufbauen ließ, die Richter und Anwälte im Gesetz unterwies, und dass jeder, ob höher oder niedriger gestellt, das Recht auf einen Anwalt hatte, wenn er vor einem Gremium von Richtern erscheinen musste, die zu dritt saßen, und einer Jury, die aus den Volkszählungslisten ausgewählt wurden. Was natürlich bedeutete, dass Adlige sich selbst nicht vor Gleichrangigen wiederfanden, sondern vor Richtern und einer Jury, die alle aus Bürgern bestanden. Richter und Anwälte dienten anscheinend niemals länger als sechs Jahre am gleichen Ort und mussten sich an einen strengen Berufskodex halten. Es gab auch ein System, um gegen ein Gerichtsurteil in Berufung zu gehen, wobei die letzte Berufung an Falkenflügel selbst gerichtet war. Und das ist alles, was von dem bekannt ist, was die meisten Historiker als durchdachtestes und am besten geregeltes Justizsystem der Welt bezeichnen, eines, in dem es sogar einem Bauern möglich war, eine Verhandlung gegen einen ehemaligen König zu gewinnen, wenn die Fakten auf seiner Seite waren.

Dass "eine Jungfrau allein von einem Ende von Falkenflügels Reich bis zum anderen reiten konnte, mit Juwelen bedeckt, ohne dass ihr ein Leid geschah", wurde so oft wiederholt, dass es als Klischee bekannt wurde, obwohl es so ziemlich der Wahrheit entsprochen haben muss. Falkenflügel erschuf eine Bürgerwehr - für den Fall gut ausgebildet, sehr diszipliniert und einem strengen Verhaltenskodex unterliegend - die nicht nur Großstädte und größere Städte überwachte, sondern auch auf den Straßen patrouillierte. Kleine Gruppen von denen, die anscheinend "kreisende Wanderer" genannt wurden (der Begriff ist in den zwei erhaltenen Quellen kleingeschrieben), patrouillierten regelmäßig einen bestimmten Weg zwischen selbst den kleinsten Dörfern ab.

Aus Falkenflügels persönlichem Leben ist ebenfalls wenig bekannt. Seine Hochzeit mit Amaline Paendrag Tagora war anscheinend eine Liebesheirat. Dessen kann man sich aufgrund der sogenannten Amaline-Gedichte sicher sein, welche größtenteils die versuchte Zerstörung von allem, das mit Falkenflügel zu tun hatte, während der ersten drei Dekaden des Hundertjährigen Krieges, überlebt hat. Diese Werke eines eher armseligen Poeten sind ebenfalls schlicht und einfach die Arbeit eines Mannes, der der Frau, für die er schrieb, von Herzen zugeneigt war. Sie scheinen die gesamte Zeit ihrer Heirat abzudecken.

Sicher ist, dass im FJ 942 Amaline Zwillinge gebar, Amira und Modair, aber obwohl es bekannt ist, dass sie und Falkenflügel noch einen weiteren Sohn und eine Tochter hatten, hat von ihnen nichts überlebt, nicht einmal ihre Namen. Im FJ 959 wurde Modair im Kampf getötet, und obwohl Falkenflügel sicherlich trauerte ("Verlust", das einzige von den Amaline-Gedichten, das kein Liebesgedicht ist, spricht deutlich von dieser Zeit), waren es die Tode durch Gift im FJ 961, denen Amaline und ihre drei verbliebenen Kinder zum Opfer fielen, die beinahe sein Untergang waren.

Mehrere Quellen benutzen Begriffe wie "die Schwarzen Jahre" und "die Jahre des Stillen Zorns" für die Zeitspanne vom FJ 961 bis FJ 965, die letzten Jahre der Fusion und auch der beinahe verhängnisvollen Invasion der Aiel-Wüste im FJ 964. Es wird gesagt, dass Falkenflügel sich selbst vor allen menschlichen Gefühlen verschlossen hatte, "und vor denen, Liebe und Mitgefühl vergrub er am tiefsten". Sogar Schreiber, die deutlich Falkenflügel vorzogen, stimmen zu, dass seine Suche nach den Mördern brutal und unerbittlich war; und sie sprechen von mehr als einhundert Hinrichtungen. Seine ursprüngliche Bestrafung von Aldeshar, der letzten Nation, die ihm zugefallen war, war allerdings grausam: in mehreren Schlachten wurden keine Gefangenen gemacht, beinahe die ganze Bevölkerung wurde in andere Teile des Reiches umgesiedelt, die Konfiszierung des ganzen Vermögens, welche alle Adligen und die gesamte Händlerklasse ins Elend stürzte und sie in alle Ecken des Reiches verstreute. Wäre solch eine Bestrafung weitergegangen, hätte sie sich auf das gesamte Königreich ausgebreitet, hätte sich Falkenflügel während seiner restlichen Herrschaft zweifellos tausenden Revolten gegenübersehen müssen anstelle der wenigen zuverlässig dokumentierten.

Die Rettung für das Königreich und wahrscheinlich auch für Falkenflügel selbst kam in der Person einer Frau namens Tamika. Sehr wenig außer ihrem Vornamen ist von ihr bekannt. Alle Quellen stimmen darin überein, dass sie beinahe dreißig Jahre jünger war als Falkenflügel. Einige behaupten, sie konnte die Macht lenken, sogar dass sie eine abtrünnige Aes Sedai war, obwohl das nicht mit den Berichten aus ihrer Jugend übereinstimmt. Sicher ist, dass sie Falkenflügel aus den Schwarzen Jahren brachte. Auf ihre Veranlassung hin gab er in seiner Bestrafung von Aldeshar nach, erlaubte den Menschen, zurückzukehren, gab das konfiszierte Vermögen und die Titel zurück. Wegen ihr schmolz seine Grausamkeit, die begonnen hatte, sich von Aldeshar auf den Rest der besetzten Gebiete auszubreiten, dahin wie Eis bei der Frühlingsschmelze.

Falkenflügel traf Tamika im späten FJ 964 bei seiner Rückkehr aus der Aiel-Wüste und heiratete sie ein Jahr später. Verschiedene Quellen sprechen von den Tamika-Gedichten und sagen, sie würden einen Mann zeigen, der mindestens genauso verliebt war wie in den Amaline-Gedichten, aber natürlich hat keines von ihnen überlebt. Tamika kann sicherlich verantwortlich gemacht werden für Falkenflügels Rückkehr zu seinen früheren Grundsätzen gegenüber den eroberten Ländern, möglicherweise für einige Verfeinerungen der Verwaltung und des Steuerwesens, die nach FJ 965 hinzugefügt wurden, was größtenteils zu Falkenflügels Ruf als großartigem Herrscher beitrug. Ihr erster Sohn, Luthair Paendrag Mondwin, wurde im FJ 967 geboren. Sie hatten außerdem noch drei oder vier weitere Kinder, aber wir wissen beinahe nichts über sie. Mindestens zwei dieser Kinder waren Töchter, eine davon kommandierte die "Shara Expedition", und ein Teil eines Briefes in der königlichen Bibliothek von Cairhien sagt, dass "der große Falkenflügel weniger als eine Stunde vor der Ankunft der Nachricht über den Tod seiner Tochter Laiwynde und ihres Sohnes starb, den letzten von Falkenflügels Blut auf dieser Seite des Ozeans". Tamika selbst starb im FJ 987; es gibt keine Berichte über den Grund.

Während die Ersten von Mayene eine Abstammung von Falkenflügel beanspruchen, durch einen Enkel namens Tyrn, gibt es keinen Hinweis darauf, dass irgendjemand von Falkenflügels Blut überlebt hat, und alle erhaltenen zeitnahen Berichte sagen aus, dass keiner es tat. Auf der anderen Seite, angesichts der Umstände nach Falkenflügels Tod, wäre jeder lebende Nachkomme von Falkenflügel aus Sicherheitsgründen versteckt worden.

Tamikas Beziehung zur Weißen Burg wurde als ausgesprochen kühl und distanziert beschrieben, obwohl gewiss nicht feindlich. Jedenfalls in der Öffentlichkeit. Aber im FJ 968 oder 969 weigerte sich entweder Bonwhin, sie zu empfangen, oder Tamika verweigerte sich einer Aufforderung von ihr. Das letzte ist unwahrscheinlich, da zu dieser Zeit sogar Falkenflügel selbst hingegangen wäre. Und dennoch sollte Bonwhin der Königin und Ehefrau des unbestrittenen Herrschers von jedem Fetzen des Landes, das nicht von Tar Valon gehalten wurde, eine Audienz verweigert haben? Außer die Gerüchte, dass Tamika eine abtrünnige Aes Sedai war, sind wahr. Gerüchte über abtrünnige Aes Sedai scheinen ein häufig auftretendes Nebenprodukt der Geschichte zu sein, obwohl keines von ihnen jemals bestätigt wurde, und es sollte erwähnt werden, dass mit der einzigen Ausnahme von Tamika jede Quelle von schneller und schrecklicher Bestrafung durch die Weiße Burg spricht. Man beachte die bekannte Geschichte der Entführung von Königin Sulmara von Masenashar (ca. 450 NZ). Die Details unterscheiden sich in den verschiedenen Erzählungen, aber das Ende ist bei allen gleich: einmal Gefangen genommen verbrachte Sulmara ihre verbliebene Lebenszeit damit, in den Ställen der Weißen Burg zu arbeiten.

Kein Bericht von Falkenflügel sollte seinen Umgang mit der Weißen Burg auslassen. Es kann ein grobes Bild von dem Ziehen und Lockern der Spannungen der damaligen Zeit entworfen werden, obwohl der Mangel an Berichten der Bibliothek der Burg das behindert. Jedenfalls unter denen, die nicht Aes Sedai zugänglich sind.

Anfänglich zeigte Falkenflügel keine Feindseligkeit gegenüber Aes Sedai. Er näherte sich anscheinend Tar Valon im FJ 944 auf der Suche nach Hilfe in den Verhandlungen mit seinen vielen Feinden, ohne Erfolg. Obwohl Tar Valon keine offene Stellung in irgend einem der Kriege gegen Falkenflügel einnahm, erhielt jeder Herrscher, der Streitkräfte gegen ihn sandte, Aes Sedai-Beraterinnen, oft bis zu vier oder fünf, bevor er irgend einen Zug gegen Falkenflügel unternahm. Ob Tar Valon an den Provokationen beteiligt war oder nicht, die Herrscher mussten keine Wahl gesehen haben, als ihn zu bekämpfen. Trotzdem musste Falkenflügel geglaubt haben, dass Tar Valon, wenn es nicht aufhetzte, zumindest seinen Feinden half.

Laut aller Quellen machte Falkenflügel während der Fusion keine offensichtlichen Züge gegen Tar Valon. Amaline hatte sicherlich etwas damit zu tun; während es sicher ist, dass sie keine Aes Sedai war und es keinen Beweis dafür gibt, dass sie die Macht lenken konnte, gibt es einige Hinweise darauf, dass sie als sehr junge Frau zur Weißen Burg ging und Unterweisung suchte, und viele Quellen berichten von ihrer Zuvorkommenheit gegenüber Aes Sedai und ihrer grundsätzlich freundlichen Einstellung gegenüber Tar Valon. Allem äußeren Anschein nach machte Falkenflügel einen Frieden mit der Weißen Burg, wenn nicht sogar einen mit einem unterzeichneten Abkommen, natürlich, da Tar Valon voraussichtlich nicht bereit war, zuzugeben, dass es sich gegen ihn gestellt hatte. Im FJ 954 akzeptierte er eine Aes Sedai-Beraterin, Chowin Tsao von der Grünen Ajah. Herrscher, die ihn bekämpften, hatten natürlich ebenfalls noch Beraterinnen aus Tar Valon, aber die Weiße Burg hatte immer einen äußerlichen Anschein von Neutralität aufrechterhalten, und es scheint, dass er diese Haltung schließlich in der Öffentlichkeit akzeptierte.

Anscheinend gab es eine zeitweilige Unterbrechung in den Schwarzen Jahren. Chowin Tsao ist laut eines bruchstückhaften Briefes, der zuverlässig auf FJ 962 datiert wird, seine Beraterin, aber ein anderer Brief (vermutlich von FJ 967, laut internen Berichten) erklärt, "nach fünf Jahren hatte sich der Hochkönig mit Tar Valon versöhnt und stimmte zu, erneut eine Beraterin von den Schwestern zu akzeptieren".

Was immer der Grund für die Spaltung war, die Versöhnung war von ganzem Herzen, solange sie dauerte. Im FJ 974 machte Falkenflügel umfangreichen Gebrauch von den Aes Sedai in seinem ganzen Königreich. Sie hatten eine Reihe von behördlichen und Verantwortungspositionen inne, dienten sogar als Gouverneure von Provinzen. Und dann, im Herbst vom FJ 974, entließ Falkenflügel kurzfristig nicht nur seine Aes Sedai-Beraterin (Name unbekannt), sondern alle Aes Sedai, die in seinem Königreich einen Posten innehatten. Im jungen Frühling von FJ 975 setzte er einen Preis auf den Kopf jeder Aes Sedai aus, die sich weigerte, Tar Valon abzuschwören - obwohl es keinen glaubwürdigen Beweis dafür gibt, dass er von ihnen verlangte, ihre Loyalität auf ihn zu übertragen. Im Sommer dieses Jahres hatten seine Generäle nicht nur das ganze Territorium von Tar Valon überrannt, sondern belagerten auch die Stadt selbst.

Diese Belagerung sollte den Rest von Falkenflügels Leben dauern, und sogar noch ein paar Monate länger. Grundsätzlich wird angenommen, dass sogar Mithilfe der Einen Macht der Aes Sedai Tar Valon gefallen wäre, hätte es nicht weit verbreitete, wenn auch unorganisierte, Sympathien besessen, die sich in einem sehr stetigen Strom von Vorräten zeigten, die über den Fluss in die Stadt geschmuggelt wurden. Während Falkenflügel selbst sehr beliebt war, hegten viele Menschen keine Antipathie gegen Aes Sedai und fühlten, dass sich gegen Tar Valon zu stellen falsch und sogar gefährlich war. Zusätzlich dazu unterstützten viele Adlige verdeckt Tar Valon, ob sie es wagten oder nicht, das öffentlich zu tun.

Warum wandte er sich so gewaltsam gegen Tar Valon? Viele stimmen zu, dass Falkenflügel im FJ 974 davon überzeugt wurde, dass Tar Valon ihn benutzte, um seine eigene Macht zu steigern; Aes Sedai regierten jetzt mehr als ein Drittel der Provinzen des Königreichs, und es scheint nur wenig Zweifel zu geben, dass diese Frauen ihre Anweisungen eher von Bonwhin erhielten, als von Falkenflügel. Es scheint sehr wahrscheinlich, dass Bonwhin versuchte, seine Entscheidungen eine Zeit lang zu leiten oder kontrollieren, und angesichts ihres wahrscheinlichen Schicksals (von der Halle der Burg FJ 992 abgesetzt, gedämpft und, bis zu ihrem Tod im FJ 996, gezwungen als Küchenmädchen zu arbeiten, obwohl das letzte nur von Quellen außerhalb der Burg bekannt ist), ist es möglich, dass sie eventuell die Grenze dessen überschritten hat, zu was immer Aes Sedai bei solchen Manipulationen verpflichtet sind. Aber das ist nur Spekulation.

Verschiedene Quellen sagen, dass Falkenflügel mit Sicherheit entdeckte, dass die Burg hinter einigen oder allen der Aufstände steckte, denen er sich zu dieser Zeit gegenüber sah, obwohl inzwischen lange genug mit Tar Valon zu tun gehabt haben musste, dass solche Machenschaften für ihn keine wirkliche Überraschung gewesen sein müssen. Einige Quellen behaupten, dass er entdeckte, dass Bonwhin selbst in den Tod von Amaline und ihren Kindern verwickelt war. Das letzte schließlich würde die Grausamkeit erklären, mit welcher er sich gegen Tar Valon wandte. Und es war ein Kampf bis aufs Messer, ohne Waffenruhe bis zum Ende. Auf seinem Sterbebett verweigerte Falkenflügel das Angebot einer Heilung durch Aes Sedai, das ihn vielleicht gerettet hätte.

Die mögliche Rolle von Tamika in der Beziehung mit Tar Valon wurde unzählige male analysiert; "möglich", weil abgesehen von ihrer offensichtlichen Macht im Reich gibt es keine Beweise von einer solchen Rolle, wie auch immer ihre Beziehung zu Bonwhin und der Burg war, auch wenn die eigentliche Beziehung, mit all ihrer Kühle und anscheinend bewussten Distanz auf beiden Seiten, solche Spekulationen vielleicht unausweichlich macht.

Andere Vermutungen reichen vom möglichen (Falkenflügel entschied einfach, dass er das ganze Land wollte) bis zum bizarren (ein kompliziertes Komplott der Weißen Burg - jene, die hinter jedem Busch eine Aes Sedai-Verschwörung vermuten, ziehen das vor, obwohl die Ziele des unterstellten Komplotts je nach Schreiber sehr auseinander gehen). Die Jalwin Moerad-Theorie ist beliebt bei jenen, die offensichtliche Gründe ablehnen.

Nur sehr wenig ist von Moerad bekannt, obwohl er in verschiedenen Quellen auftaucht, das meiste besonders in Briefen, die in der Terhana Bibliothek in Bandar Eban aufbewahrt werden. FJ 973 tauchte er an Falkenflügels Hof auf und hatte seinen ersten Auftritt in der Geschichte. Viele forschten zu dieser Zeit nach seiner Herkunft, und einige, die sich etwas zu intensiv damit beschäftigten, haben vielleicht tödliche Unfälle erlitten. Es steht fest, dass Tamika sich eiskalt gegenüber Moerad verhielt, wenn auch immer angemessen, und obwohl Falkenflügel ihrer Beratung noch traute, war Moerad im Spätsommer des FJ 974 einer von den engsten Beratern des Hochkönigs. Er behielt seine Position bis zu Falkenflügels Tod trotz einiger längerer Abwesenheiten bei, unbeständige Launen und ein Temperament, das nicht nur ein Beobachter als "mehr als halb wahnsinnig" beschrieb.

Es ist wegen dieser zeitlichen Nähe (Spätsommer, Moerad wird Berater; Spätherbst, Falkenflügel entlässt Aes Sedai aus seinem Dienst) und der alarmierenden Tatsache, dass Moerad ganz offensichtlich so herablassend gegenüber Aes Sedai war, dass alle ihn betreffenden Theorien bleiben.

Ein Teil eines Manuskriptes (aus einer privaten Sammlung in Andor), ungefähr dreiundzwanzig Jahre nach Falkenflügels Tod datiert, stützt sich auf diese wackligen Fakten. Gemäß dem Schreiber beriet Moerad innerhalb von ein paar Tagen nach Falkenflügels Tod Marithelle Camaelaine. Als sie ermordet wurde, begann er angeblich Norodim Nosokawa zu beraten (wiederum innerhalb von Tagen), und unmittelbar nach Nosokawas Tod im Kampf tauchte Moerad an Elfraed Guitamas Seite auf. Da diese drei der Übernahme von Falkenflügels ganzem Königreich in den zwanzig Jahren nach seinem Tod am nächsten kamen, war Moerad offensichtlich entweder ein sehr fähiger Berater oder ein Mann mit einem scharfen Auge für Gewinner. Wie diese Dinge mit Falkenflügels Wendung gegen die Aes Sedai in Zusammenhang gebracht werden können, befindet sich unglücklicherweise unter den fehlenden Teilen des Manuskripts. Eine merkwürdige Notiz: Der Schreiber behauptet, dass Moerad seit dem Tag, als er das erste mal auftauchte, bis zu dem Tag, an dem er plötzlich verschwand, etwa vierzig Jahre später, niemals alterte. Was das über die Aufrichtigkeit der Quelle aussagt, bleibt dem Leser überlassen.

Das war das Leben von Artur Falkenflügel, Artur dem Hochkönig. Was hätte er noch erreichen können, hätte er sich nicht gegen die Aes Sedai gewandt? Die Vereinigung der ganzen Welt? Es wird behauptet, dass, wenn er nicht so viel Energie gegen Tar Valon verwendet hätte, er seine Invasion von Seanchan und Shara früher begonnen hätte und dass mit seiner persönlichen Beteiligung die Expeditionen nach Shara und Seanchan niemals verloren gegangen wären. Wem geben wir die Schuld? Falkenflügel? Bonwhin? Personen, deren Namen für immer im Nebel der Zeiten verloren gegangen sind? Einige unterstellen ihm Versagen, weil das, was er baute, ihn nicht überlebt hat, aber wenn das so ist, war es ein Versagen wie das von anderen Männern, die vom Ruhm träumen. Nur wenige Erfolge führen zu einem Zehntel davon.

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